Login

Register

Login

Register

Meerforellen für die Alster

Meerforellen für die Alster

von Frank Schlichting / Anglerverein Alster e. V. Hamburg

Die Alster ist ein Fluss, in dem es mehr Fischarten gibt, als viele glauben. Den Hecht zum Beispiel, den Barsch und den Aal, um nur die bekanntesten „Speisefischarten“  zu nennen. Dazu kommen viele Arten, von denen der eine oder andere vielleicht schon mal gehört hat: Rotauge, Brassen, Aland, Rotfeder, Stichling, Kaulbarsch und Gründling. Selbst seltene Arten wie die Mühlkoppe oder das Bachneunauge sind in der Alster anzutreffen.  Sogar die Aalquappe, die über 50 Jahre  in der Alster verschwunden war,  ist durch gezielte Besatzmaßnahmen wieder angesiedelt worden und hat heute einen stabilen Bestand. Ein ganz besonderer Fisch ist der Hasel, auch Häsling genannt. Der bis maximal 30 Zentimeter lange Strömungsfisch ist in Norddeutschland relativ selten und kommt in Hamburg nur im Einzugsgebiet von Alster und Bille vor. Und was natürlich jeden interessiert: Gibt es auch Forellen in der Alster?  Ja, und zwar Bachforellen, die vom Angelverein „Alster“ regelmäßig besetzt werden.  Aber das große Ziel sind  jetzt Meerforellen, die in der Alster eine neue Heimat finden sollen!

 

Meerforellen sehen wie Lachse aus
Meerforellen sind Fische, die wie Lachse, denen sie übrigens zum Verwechseln ähnlich sehen, im  Meer leben und nur zum Laichen ins Süßwasser aufsteigen. Sie  können bis zu einen Meter lang werden.  Wenn Sie im Spätherbst die Oberläufe ihrer Geburtsflüsse erreicht haben, schlagen die Männchen mit ihren Schwanzflossen Mulden in den Kies. Sobald die Weibchen ihre Eier in diese Mulden abgelegt haben, werden diese sofort von den Männchen befruchtet. Nach der Eiablage ziehen die Elterntiere  zurück ins Meer und kommen ein Jahr später wieder ins Süßwasser, um ein nächstes Mal für Nachwuchs zu sorgen. Die befruchteten Eier bleiben im Kies liegen, bis nach einigen Wochen die etwa einen Zentimeter langen Jungfische schlüpfen. Ungefähr ein bis zwei Jahre, bis sie eine Größe von etwa 15 Zentimeter erreicht haben, bleiben sie im Süßwasser. Dann machen auch sie sich auf den Weg ins Meer. Dort ziehen sie zwei bis drei Jahre fressend umher, bis sie etwa  50 bis 60 cm lang und laichreif sind. Auch sie kehren dann in ihre Geburtsgewässer zurück, um selbst für Nachwuchs zu sorgen. Wie die Fische es schaffen, nach mehreren Jahren ganz gezielt die Gewässer wiederzufinden, in denen sie geschlüpft sind, ist ein Rätsel, das bis heute nicht eindeutig geklärt ist.

Kiesbetten sind wichtig
Damit Salmoniden wie Bachforellen und Meerforellen ablaichen können, müssen entsprechende Kiesbetten vorhanden sein. Die Alster ist zwar ein von Sandgrund geprägtes Fließgewässer, hat aber auch ein paar schnell fließende Bereiche mit Kiesgrund. Aber nicht genug! Das Aktionsbündnis „Lebendige Alster“ aus BUND, NABU und Aktion Fischotterschutz hat es sich zum Ziel gesetzt, die Alster wieder naturnäher zu gestalten. Im Jahr 2011 wurden deshalb gemeinsam mit den Anglern unterhalb der Trillup-Brücke in Bergstedt Kiesbetten angelegt, 2012 wurde von vielen fleißigen Helfern am Haselknick Kies in die Alster geschaufelt. Wenn die ersten Meerforellen zum Laichen in die Alster aufsteigen, werden sie dort hoffentlich geeignete Laichplätze vorfinden.

Freier Aufstieg
Damit die Meerforellen  ungehindert bis in den Oberlauf der Alster aufsteigen können, muss die Alster natürlich für Wanderfische durchgängig sein. Und da ist Hamburg auf einem guten Weg! Das Ziel hat oberste Priorität. Das erste Hindernis auf dem Weg über die Elbe in die Alster, die Schleuse am Rathausmarkt, bekommt nächstes Jahr eine Fischtreppe. An der nächsten Hürde, der Ohlsdorfer Schleuse, die für Wanderfische bislang unüberwindlich war, ist eine Fischtreppe sogar schon kurz vor der Fertigstellung. Weiter flussauf, an der Poppenbüttler Schleuse, gibt es noch keinen Fischpass. Da das Wasser direkt unter dem Wehr bei Hochwasser aber anderthalb bis zwei Meter tief ist und das Gefälle dann nur etwa einen Meter beträgt, wären Salmoniden in der Lage, so viel „Anlauf“ zu nehmen, um  die Schleuse hinaufzuspringen zu können. Am vierten Hindernis, der Mellingburger Schleuse, gibt es bereits einen sehr schönen Fischpass, der seitlich an der Schleuse vorbei läuft. Das letzte Bollwerk zum freien Aufstieg in den Oberlauf der Alster stellt dann die Wohldorfer Schleuse dar. Durch ein hohes Gefälle und eine niedrige Wassertiefe unterhalb des Wehres ist sie für Salmoniden unter normalen  Wasserstandsbedingungen unüberwindbar. Eine Fischtreppe an der Wohldorfer Schleuse sollte also das nächste Ziel sein!

Meerforellen für die Alster
Um das Meerforellen-Projekt zu starten, hat der Angelverein „Alster“ jetzt 5000 Meerforellen-Brütlinge in den Hamburger Nebenbächen der Alster ausgesetzt. Die Fische stammen aus einer Meerforellen-Aufzuchtstation eines befreundeten Angelvereins. Die Betreiber fischen im Winter in den Oberläufen von Flüssen frisch aufgestiegene Meerforellen elektrisch heraus und streifen sie ab. Das heißt, sie drücken die Eier aus den Weibchen und befruchten diese sofort mit der Samenflüssigkeit der Männchen. In der Aufzuchtstation werden die Eier dann ausgebrütet. Direkt nach dem Schlüpfen haben die Winzlinge noch einen Dottersack, aus dem sie sich ernähren. In diesem Stadium sind sie nicht wirklich schwimmfähig. Nach einigen Wochen, wenn sie das Dottersackstadium überschritten haben und schwimmfähig sind, werden sie an Angelvereine abgegeben und als Besatz in die Gewässer ausgebracht. Die 5000 Meerforellen in den Nebenbächen der Alster haben jetzt einen langen Weg vor sich. Sie müssen vielen Fressfeinden entkommen, den Weg in die Nordsee finden und wieder zurück in die Alster kehren. Das dauert etwa vier bis fünf Jahre. Natürlich schaffen es nicht alle Fische. Unter optimalen Bedingungen kommt  in der Regel etwa ein Prozent der Fische wieder zurück. Wenn im Herbst 2018 also 50 Meerforellen die Alster aufsteigen, haben wir unser Ziel erreicht!

{imageshow sl=8 sc=7 w=600 /}

 

You must be logged in to post a comment.