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Heimführung einer großartigen Fischart

Heimführung einer großartigen Fischart

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Der 16.09.2013 war ein großer Tag an der Oste, dem längsten Nebenfluss der Niederelbe. Insgesamt wurden zum wiederholten Male (seit 5 Jahren in Folge) 500 junge Störe in den Fluss entlassen, um über ihn und die Elbe, in die Nordsee und den Atlantik zu wandern.
Dort, so hoffen die über 8.000 Angler der „Osteland-Fachgruppe Wanderfische“ und ihr Sprecher Wolfang Schütz (SFV Oste e.V. im Angelsport-Verband Hamburg), können sie dann heranwachsen, um nach Eintritt ihrer Laichreife, zur Fortpflanzung in die Oste zurückzukehren.

Die Geschichte
Bis zum ersten Weltkrieg war der bis zu 4 Meter lange und bis zu 300 kg schwer werdende „Europäische Stör“ (Acipenser sturio) die am weitesten verbreitete Störart in

Europa und auch in der Elbe, der Brotfisch der damaligen Elbfischer.
In den vergangen 100 Jahren hat die Art jedoch einen massiven Zusammenbruch erlitten und ist weltweit bis auf eine „Reliktpopulation“ in der Gironde, in Frankreich, zusammengeschrumpft.
In der „Roten Liste“ der IUNC wir der Europäische Stör daher auch als „critically endangered“ (vom Aussterben bedroht) geführt.

Die hauptsächlichen Gründe für den Zusammenbruch der Population sind Verschlechterungen der Habitate (z.B. durch Dämme, Kanalisierung und Kiesentnahme), Beifang und Wilderei sowie die Einschleppung nicht heimischer Störarten. Zusätzliche Gefährdungen sind die Gewässerverschmutzung als Grund für Reproduktionsausfälle und Beeinträchtigungen der Nahrungshabitate in den Ästuarien (Flussmündungen) aufgrund von Kanalisierung und Sedimenteintrag.

jungstoerMaßnahmen zur Rettung
Bereits Ende des letzten Jahrhunderts erkannten sowohl Fischereibiologen als auch Angler, dass diese großartige Fischart – die älter ist als die Dinosaurier – nicht verloren gehen darf. Nach Jahren der Planung und Vorbereitung werden bis heute kleine Störlarven aus dem französischen Gironde-Gebiet, dem letzten verbliebenen Laichgebiet der im Nordostatlantik frei lebenden Europäischen Störe, nach Deutschland gerbracht und im Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin aufgezogen (vorgestreckt). Seit 2008 werden diese Jungstöre im Elbegebiet – in den Flüssen Oste, Stör, Elbe, Mulde und Havel – ausgesetzt.

Warum die Oste
Zur Wiedereinbürgerung ausgewählt, wurde die Oste von den Berliner Wissenschaftlern nicht nur wegen ihrer Gewässerqualität und der relativ wenigen Querverbauungen. Auch das große Engagement der Anrainer für bedrohte oder verschollene Arten, war ein entscheidendes Kriterium.

stoerpateLaut Dr. Geßner haben sich nicht zuletzt die Angler an der Oste, sowie die Arbeitsgemeinschaft Osteland, mit “viel Enthusiasmus” für das Stör-Projekt eingesetzt und ein “phänomenales Klima” für den Artenschutz geschaffen, sondern die „AG Osteland“ habe “maßgeblich dazu beigetragen, die gemeinsamen Anstrengungen zur Wiedereinbürgerung des Störs voranzubringen und zu fördern”.

Bereits um das Jahr 2000 herum war den ansässigen Angelvereinen die Wiederansiedlung, des in der Oste ebenfalls ausgerotteten Lachses gelungen. Das damalige “Wunder an der Oste”, so die Fachpresse, ermutigte die Angler, sich fortan auch dem Stör zu widmen.

Sowohl die Wissenschaftler, als auch die Angler, wollen es aber nicht beim bloßen Aussetzen von „eingekauften“ Jungstören belassen. Am IGB in Berlin ist man gegenwärtig damit beschäftigt, einen eigenen Elterntierbestand aufzubauen, um bei der Produktion der Fischlarven unabhängig zu sein. Aber auch an der Oste gibt es Bestrebungen, den Stör noch tiefer in der Region zu verankern.

Die AG Wanderfische setzt sich für eine eigene Stör-Aufzuchtstation direkt am Fluss ein und prüft gemeinsam mit dem Leibnitz-Institut die Eignung verschiedener Standorte. Die Nähe zum Fluss hat einen triftigen Grund, denn „je früher die Jungstöre mit Ostewasser in Berührung kommen, umso eher werden die sie auf den Fluss geprägt“, weiß Wolfgang Schütz.

stoerpflegerDer Ostener “Störvater” Wolfgang Schütz und andere Mitglieder der AG Osteland gehen aber noch weiter. So installierten sie in Oberndorf ein Stördenkmal (“Hein Stör”) und veranstalteten in den Oste-Landkreisen Cuxhaven, Stade und Rotenburg Vortragsabende (“Kaviarnächte”), eine Ausstellung (“Die Rückkehr des grauen Riesen”), einen “Störgipfel” sowie Radtouren “Auf den Spuren der Wanderfische” sowie zwei “Oste-Stör-Feste” in Oberndorf und Bremervörde-Elm.

Internationale Beachtung
Die international beachtete Wiedereinbürgerung des Europäischen Störs in die Elbe-Zuflüsse, wird als “Beispielprojekt der “UN-Dekade der Biodiversität” ausgezeichnet. Eingeladen zur feierlichen Preisverleihung am 25. September auf Burg Lenzen an der Elbe, sind auch der Vorsitzende der gemeinnützigen „AG Osteland e. V.“, Jochen Bölsche, sowie als Vertreter der rund 8000 am Projekt beteiligten Angler, der Sprecher der „Osteland-Fachgruppe Wanderfische“, Wolfgang Schütz.
Entgegennehmen wird die Uno-Auszeichnung für die deutschen Artenschützer durch den
Stör-Projektleiter Dr. Jörn Geßner vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei aus der Hand von Dr. Elsa Nickel, vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

flaggeDie Bemühungen zur Wiedereinbürgerung der weltweit nahezu ausgestorbenen Art „Acipenser sturio“ (Europäischer Stör) werden mit der Auszeichnung gewürdigt, weil der Stör in den letzten Jahren “als wichtige Schirmart und Leuchtturm der nationalen Biodiversitätsstrategie, ein Wegbereiter für die Anerkennung von Flüssen als Lebensraum” geworden sei.

Nebenbei bemerkt
Das Oste-Land ist auch ein ausgezeichnetes „Langes-Wochenende-Ziel“ für Angler und andere Naturinteressierte.
Informationen erhalten Sie unter: www.osteland.de und www.tourismus-oste.de

 

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